Themenorientierter Deutschunterricht am Beispiel des Hundes

Themenorientierter Deutschunterricht

 

Dr. Hanna Sauerborn

PH Freiburg und Adolf-Reichwein Schule

Freiburg 2018

Ziel

In einem themenorientierten Deutschunterricht arbeiten alle Kinder einer Lerngruppe über einen längeren Zeitraum am gleichen Thema. Dabei sollen vor allem drei Dinge möglich sein:

  • Kompetenzen aller Kompetenzbereiche des Deutschunterrichts werden in Auseinandersetzung mit einem Thema gefördert. Das gewählte Thema liegt im Idealfall innerhalb des Interessenbereichs der Kinder, so dass sie motiviert sind, sich mit den Inhalten zu beschäftigen.
  • Lernende mit unterschiedlichen Kompetenzniveaus arbeiten nicht an unterschiedlichen Themen und Aufgabenformaten, sondern die gesamte Klasse beschäftigt sich mit einem Thema und einer Aufgabenstellung. Es werden allerdings unterschiedliche Differenzierungsmöglichkeiten angeboten, die sowohl Lernende im oberen als auch im mittleren und unteren Leistungsspektrum (bzw. mit unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen) in der Zone der proximalen Entwicklung fördern. Das meint nach Wygotski, dass die Kinder sich mit etwas beschäftigen, dass ein bisschen über dem liegt, was sie können. Der Inhalt ist also weder zu leicht noch zu schwierig, sondern stellt eine Herausforderung dar, welche die Lernenden – ggf. mit Unterstützung – aber bewältigen können.
  • Auch wenn es individualisierte Arbeitsphasen gibt, kommen die Lernenden immer wieder zusammen und tauschen sich über die behandelten Inhalte aus bzw. erarbeiten gemeinsam bestimmte Themen. Die Kooperation am gemeinsamen Gegenstand (Feuser 2013) ermöglicht das gemeinsame Lernen in der heterogenen Lerngruppe.

Die in dem Dokument unten beschriebene Einheit wurde in einer 4. Klasse an einer Schule mit großer Heterogenität durchgeführt und weiterentwickelt. In der Klasse sprechen bis auf zwei Kinder alle Kinder mindestens eine weitere Sprache. Einige Kinder haben einen Förderanspruch im Bereich Lernen, wieder andere im Bereich sozial-emotionale Entwicklung.

Unterrichtsvorbereitung

Die Unterrichtsplanung berücksichtigt neben einer sachfachlichen Auseinandersetzung ebenso die Analyse der sprachlichen Anforderungen, die sich einerseits auf den Lerngegenstand bezieht (Welcher Wortschatz ist relevant? Welche sprachlichen Redemittel werden verwendet? Welche Satzstrukturen liegen vor? Welche Wortbildungen tauchen auf?), andererseits aber auch auf die jeweiligen gefragten Kompetenzen (Welche Anforderungen werden an das Lesen gestellt? Welche Anforderungen werden an die Textproduktion gestellt? usw.).

 

Unterrichtsorganisation

Ausgewählte Themen werden im Plenum aufgegriffen und besprochen, zudem gibt es fest ritualisierte gemeinsame Phasen (Satz des Tages besprechen, Reflexion über das Gelernte usw.). Viele Inhalte werden jedoch im Wochenplan bearbeitet, wobei einige Aufgaben kooperativ angelegt sind oder ein kooperatives Element enthalten. Alle Kinder haben dabei die gleichen Aufgaben, wobei eine quantitative Differenzierung vorgenommen werden kann (Aufgaben werden gestrichen bzw. werden Zusatzaufgaben gestellt). Zudem werden zu jeder Aufgabe Unterstützungsformate angeboten, die die Kinder eigenständig nutzen können (gekennzeichnet mit einem „H“). Für die meisten Aufgaben gibt es auch Lösungen, die den Kindern z.B. hinter der Tafel angeboten werden können (gekennzeichnet mit einem „L“).

Bei den meisten Lesetexten gibt es zwei Versionen - eine kürzere und eine längere Version. Zudem werden Audiodateien angeboten, die die Kinder zum Mitlesen nutzen können. Diese liegen auch je Text doppelt vor: ein langsam gelesener Text und ein relativ normal gelesener Text.

Für die Kinder bedeuten die verschiedenen Unterstützungsformate jedoch keine Segregation in unterschiedliche Gruppen: Sie erleben den Unterricht als eine Arbeit am gemeinsamen Gegenstand bzw. am gleichen Thema.

Unterrichtsmaterial

Hier finden Sie ein ausführliches Unterrichtsmaterial zum Thema Hund. Das Material wird aktuell weiterhin aktualisiert und um weitere Materialien ergänzt.

Themenorientierter DU am Beispiel Hund