Fotomaterial zur Sprachförderung

Foto-Materialien für den Einsatz im Deutschunterricht

 

Katja Schneider

PH Freiburg und Adolf-Reichwein Schule

 

 

Worum geht es?

Fotomaterialien mit Lebensweltbezug

Fotomaterialien enthalten Fotos von Kindern in ihrem natürlichen Umfeld. Die Fotos können ergänzt werden durch Wörter, Sätze und Texte.

Lebensweltbezug zur Steigerung der Motivation

Besonders für junge Kinder, für DaZ-Kinder und Kinder mit besonderem Förderbedarf im Bereich Sprache stellen der Lebensweltbezug und damit verbundene bedeutungstragende Inhalte eine wichtige Rolle bei der Förderung dar. Motivierende Materialien erhöhen die Lernbereitschaft und den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler.

Vielseitig einsetzbar

Die Arbeit mit Foto-Materialien lässt sich variantenreich als Einzel- oder Partnerarbeit, in Fördersituationen, im Rahmen der DaZ-Förderung, im mündlichen und schriftlichen Sprachgebrauch und als Lese- und Schreibförderung auf unterschiedlichen sprachlichen Ebenen hin fokussiert, mit individuell formulierten Lernzielen einsetzen.

 

 

Einsatzmöglichkeiten

Sprachförderung

Aussprache und Lautdifferenzierung

In diesem Bereich können ganz unterschiedliche Aufgaben gewählt werden. Ausspracheübungen können sich auf ein bestimmtes Phänomen beziehen, bei dem das Kind Schwierigkeiten hat (z.B. Konsonantencluster wie schreiben, springen, tragen). Übungen zur Lautdifferenzierung können  z.B. die Unterscheidung von Lang- und Kurzvokal beinhalten (lesen – klettern, Tafel – Jacke) oder auch ähnlich klingende Wörter thematisieren, um das genaue Hinhören zu schulen (z.B. schreien – streiten).

 

Wortschatzerweiterung

Natürlich eigenen sich die Fotos hervorragend zur Wortschatzerweiterung. Werden mit dem Kind selber sogar eigene Fotos erstellt, ist die Arbeit mit den Bildern noch produktiver. Es kann aber auch auf vorhandene Bilder zurückgriffen werden, bei denen die Kinder Teile der Schule erkennen.

Die verwendeten Verben könnten – je nach Lernziel und Können - anschließend in ein „Verb-Heft“ eingetragen (und konjugiert werden). Im „Wörter-Heft“ könnten die Wörter unter der Rubrik „Verben“ im Sinne einer Wortsammlung (Wortschatzerweiterung oder Lernwörterverzeichnis) gesammelt werden.

 

Satzstrukturen üben

Um in einer Einzel- oder Gruppeneinführung eine einfache Satzstruktur zu erarbeiten, empfiehlt sich die kombinierte Arbeit von Fotos und der Sterntabelle nach Maria Montessori, dabei wird zunächst mündlich die auf dem jeweiligen Foto abgebildete Tätigkeit aufgegriffen:

 

L: Was macht das Kind auf diesem Foto?                                

S: schreiben

L: Wer schreibt?

S: Gabi.

L: Gabi schreibt. –Was schreibt Gabi?

S: Einen Brief.

L: Gut! Gabi schreibt einen Brief.

Je nach Fähigkeit bzw. Förderbedarf des Kindes kann anschließend individuell alleine oder in Partnerarbeit mündlich und/oder schriftlich weitergearbeitet werden. Dabei kann die Satzstruktur durch Hinzunahme unterschiedlicher Satzglieder oder/und Wortarten allmählich erweitert werden.

 

In der Herkunftssprache schreiben lassen

Die Kinder können zu den Fotos auch etwas in ihrer Herkunftssprache aufschreiben und z.B. neben jeden deutschen Satz auch den Satz in der Herkunftssprache schreiben. Sprachvergleiche und Wertschätzung der Muttersprache können so entstehen.

Schreibförderung

Schreiben von Wörtern und Sätzen

Je nach vorhandenen Fähigkeiten des Kindes im Schreiben werden zu den Bildern nur Wörter oder schon Sätze notiert. Die Kinder sollten ihr Geschriebenes kontrollieren können und ggf. verbessern.

Leseförderung

Lesen von Wörtern und Sätzen

Ebenso wie bei der Schreibförderung lässt sich Fotomaterial hervorragend für die differenzierte Leseförderung einsetzen, indem Kinder entweder auf der Wort- oder auf der Satzebene etwas lesen. Sogar kleine Texte sind möglich.

 

Scaffolding

Im Sinne der Scaffolding-Prinzipien können die vorgestellten Materialien der individuellen Zone der proximalen Entwicklung durch Hinzunahme bzw. Wegfall verschiedener Hilfestellungen (z. B. Karten, auf denen unterschiedliche Verben stehen; Papierstreifen, auf denen die Lehrperson die formulierten Sätze mitschreibt und das Kind diese hinterher lesen, abschreiben oder als Kontrolle nutzen kann; ...) angepasst werden.  Der Einsatz der Hilfestellungen kann den Bedürfnissen der SuS unterschiedlichen Sprachebenen angepasst werden, individuelle Lernziele können formuliert werden.

 

 

Pluspunkt Fotomaterial

  • Hohe Motivation
  • Mündlich oder schriftsprachlich einsetzbar
  • Sinnhaftigkeit/Lebensweltbezug
  • Viele Differenzierungsmöglichkeiten und Varianten möglich (passgenaue, individuelle Lernangebote)
  • Einzel- oder Gruppenarbeit durchführbar
  • In der Einzel-oder Kleingruppenförderung einsetzbar
  • In der DaZ-Förderung einsetzbar, vgl. hierzu Oomen-Welke, I. 2008: Didaktik der Sprachenvielfalt

 

Tipps für den Unterricht

Eigene Fotomaterialien erstellen

  • Lassen Sie die SuS sich gegenseitig bei unterschiedlichen Tätigkeiten einzeln und zu mehreren fotografieren oder fotografieren Sie die Kinder. Die Bilder können auch für eigene Wörterbücher genutzt werden.
  • Auch gemeinsame Lerngänge und /oder Ausflüge können fotografisch festgehalten und dann für die Sprachförderung genutzt werden.

 

Materialien von MLM

Einzelne Tätigkeiten in der Schule

Fotos von verschiedenen Tätigkeiten in der Schule

  • Lesen
  • Schreiben
  • Sich melden
  • Fußball spielen (coming soon)
  • Verstecken spielen (coming soon)

Ablaufschemata:

Fotos von Abläufen in der Schule

  • Zum Sportunterricht gehen
  • Sich weh tun und Hilfe suchen (coming soon)
  • Einen Streit klären (coming soon)
  • Jemanden zum Spielen suchen

 

Die Nutzung der Fotos außerhalb von Sprachunterricht in der Schule ist nicht gestattet.

Quellen

-Foto Sterntabelle: https://www.meine-erfahrungen-mit-montessori.de/material-anleitungen/sprache/satzanalyse/

Hier finden Sie den Text als PDF: Fotomaterialien